Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen!

Mädels, es ist höchste Zeit! Wofür? Für gutes Essen!

Viel zu lange habe ich mich – wie so viele von uns – mit Nahrung abgequält (Essen konnte man das kaum nennen!), die nur dazu diente, mich auf den gesellschaftlich akzeptierten Mindestumfang zu bringen. Was soll ich sagen? Ich sehe immer noch aus, wie ich eben aussehe, und das ist gut so!
Ich will hier nicht der Adipositas das Wort reden (schließlich ist die Gesundheit ja auch die Voraussetzung für Genuss), aber muss ich wirklich aussehen wie der Kleiderständer eines durchgeknallten Modedesigners? Ich finde nein.
„Geschlagen“ mit einer gertenschlanken Mutter und drei noch dünneren Schwestern war ich von Anfang an ein Kuckuck: das Moppelchen unter Schwänen…
Lange Zeit habe ich mich davon niederreißen lassen. Meine weibliche Verwandtschaft hatte daran keine Schuld. Schließlich konnten sie ja kaum nur für mein Ego so 20 kg zulegen! Nein, das Problem war ich ganz allein. Ich und meine Bereitschaft, mir jeden Stiefel anzuziehen, den die Mode- und Kosmetikindustrie hoffnungsfroh vor mir abstellte. Jahrelang quälte ich mich in diese Form, bis mir klar wurde: das bin nicht ich!

Deshalb also dieser Blog: Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen!

Was ist gutes Essen?

Gutes Essen lässt sich in zwei Kategorien einteilen, finde ich.

Erstens: die Qualität der Nahrung an sich. Ist sie hochwertig? Schmeckt sie gut? Ist sie abwechslungsreich? Macht sie Spaß?

Zweitens: wie ist meine eigene Einstellung dazu? Esse ich „gut“? Das bedeutet für mich, ich genieße mein Essen. Ich habe Wertschätzung dafür. Ich bin dankbar dafür, dass ich gut essen darf, anstatt mich selbst für jede Kalorie zu kasteien. Esse ich mit einem guten Gewissen? Schließlich wissen wir alle, dass das nicht überall auf der Welt eine Selbstverständlichkeit ist. Da ist es (nur meiner Meinung nach) fast eine Sünde, sich über ein Pfund zu viel aufzuregen. Aber wie gesagt: das ist meine Einschätzung. Wie seht ihr das? Über eure Kommentare freue ich mich immer! (Aber bitte bedenken: „Nettikette“ ist ein Muss, oder nicht?)

So, wer schreibt euch denn da überhaupt?

Ich bin, wie gesagt, das Moppelchen unter Schwänen. Aufgewachsen bin ich im schönen und nahrhaften Schwabenländle, in der Nähe von Bad Wimpfen. Hier ist die deftige Küche zu Hause. Seltsamerweise auch für meine schlanken Schwestern, deren Figur sich daran aber nicht scherte. (Was soll man machen?)
Meine Mutter hat das Kochen von meiner Oma übernommen. Und die vermutlich von ihrer Mutter und Oma.
Es gab mit Fleisch gefüllte Maultaschen, Linsen mit Spätzle, Kratzete (das ist eine Art schwäbischer Schmarren, den man auch zu Spargel isst) und Gaisburger Marsch (ein kräftiger Eintopf mit Ochsenfleisch, Kartoffeln und Spätzle).
Ich merke schon beim Schreiben, wie mir das Wasser im Mund zusammenläuft!
Meine Oma hat immer gesagt: „Bei de Reiche lärnd man s`Schbara, bei de Arme s´Kocha.“
(Google-Übersetzer: „Bei den Reichen lernt man das Sparen, bei den Armen das Kochen.“)
Als Kind habe ich mit Begeisterung und zur Begeisterung meiner kochenden Oma alles gegessen, as auf den Tisch kam. Leider auch wirklich buchstäblich alles. Da blieb nichts übrig. Meine Oma stellte mich meinen zurückhaltenderen Schwestern immer als Beispiel hin.
Tja, das hatte natürlich Folgen. Als Teenager hätte ich locker bei „Germanys next Top-Moppel“ mitmachen können. Und ich hätte gewonnen! Meine Oma fand das immer noch absolut in Ordnung. Schließlich muss eine Frau auch „schaffa“ können. Und dazu braucht es Kraft. Die hatte ich.
Was mir aber abhanden gekommen ist, war die unvoreingenommene Freude am Essen, wie ich sie als Kind hatte. So wollte ich schließlich auch wieder nicht aussehen! Die Jungs, die sich bei uns zu Hause die Klinke in die Hand gaben, waren ganz bestimmt nicht meinetwegen da, sondern wegen meiner elfenhaften Schwestern. Ich verzog mich in mein Zimmer und gab vor, mir aus diesen halbfertigen Jüngelchen nichts zu machen. Die Trauben waren eindeutig zu sauer …

Stattdessen vergrub ich mich in schnulzigen Romanen, in denen die Heldinnen (falls sie überhaupt ans Essen dachten) niemals auch nur einen Gedanken ans Zu- oder Abnehmen verschwendeten. Das Essen spielte darin überhaupt keine Rolle. Ich beneidete sie darum. Und doch wieder nicht, denn wenn meine Oma dann mit ihren selbstgemachten Krautschupfnudeln ankam … ich muss wohl nicht weiterreden.
Das Ende vom Lied war: ich wog weit über 100 kg und schwankte wie ein Betrunkener zwischen Fresslust und Selbstekel. Kennst das einer von euch? Das ist nicht lustig.
Also beschloss ich, ein neues Leben zu beginnen. Ich wollte auch zur Fraktion der superschlanken, superbeliebten, supercoolen Mädchen gehören. Da gab es nur eins: absolute Kontrolle!

Einmal um 180 Grad

Nix mehr mit Omas Krautschupfnudeln. Ich verbot mir sogar, auch nur daran zu denken. Die arme Oma verstand die Welt nicht mehr. Ihre beste Esserin, ihr größter Fan, ihr einzig wahrer Follower war abtrünnig geworden. Und während meine Schwestern weiterhin, wenn auch in Maßen Omas gute Küche genossen, wandte ich mich verächtlich ab und wurde zur Asketin.
Statt Krautschupfnudeln – Karottenstifte. Statt Maultaschen – Magerquark. Statt Röstzwiebeln – Radieschen. Hört sich fad an? Ist es auch.
Es mag ja Leute geben, die bei einem solchen Programm noch immer entzückend sind. Ich nicht. Und wenn die Jungs früher nichts von mir wissen wollten, weil ich wie ein Fettklops aussah, dann mieden sie mich jetzt, weil ich eine Furie wurde. Meine Laune sank mit meinem Gewicht und trotzdem war ich nie zufrieden. Vielleicht, weil die Kombinationsmöglichkeiten von Karotten und Radieschen relativ begrenzt sind.
Ich lungerte vor dem Spiegel herum, immer in der Hoffnung, dass ich mich endlich attraktiv fand. Und ich lebte für den Tag, an dem jemand zu mir sagen würde: „Jetzt solltest du aber langsam aufhören abzunehmen!“
Der Tag kam nie. Ich quälte mich und verzichtete. Ich knabberte Möhrensticks und hungerte. Aber irgendwie fiel niemandem auf, dass aus dem Moppelchen ein Kleiderständer geworden war. Es war anderen … schlichtweg egal! Eine niederschmetternde Erkenntnis. Für meine Umwelt, für meine Familie änderte sich nichts an meinem Wert. Sie liebten mich mit Ausdauer und trotz meiner schlechten Laune, und der Umfang meiner Taille hatte nicht den geringsten Effekt auf ihre Sicht auf mich. Noch schlimmer war es mit Leuten, die mich dann erst kennenlernten. Falls ich erwartet hatte, dass sie vor Bewunderung für meine unfassbare Schönheit vergingen … hatte ich mich getäuscht. Ich war ich. Und das blieb so.

Und wieder 90 Grad zurück

Hatte ich mich ganz umsonst gequält? Zum Glück nicht. Denn durch die beiden extremen Pole in meinem Leben – unkontrollierter Genuss und kontrollgesteuerter Verzicht – lernte ich die Mitte kennen, die man ja nicht umsonst die goldene und die gesunde Mitte nennt.
Es musste doch möglich sein, all die wunderbaren Dinge zu genießen, die die Kochkunst hergibt, und dennoch nicht alle Zügel sausen zu lassen, bis die Schwarte kracht. Das eben finden, was man die goldene Mitte nennt. Und ich fand sie.
Eine gute (und darum ehrliche) Freundin fand die richtigen Worte: Aus einer dürren Kuh wird immer noch kein Reh! Klingt brutal, aber darin liegt eine Wahrheit, die entspannt. Ich war und bin keine Elfe. Ich bin kräftig. Ich bin im besten Sinne gut gebaut. Nichts kann mich schmaler machen, nichts kann mich kleiner und zierlicher machen als ich bin. Aber ich kann eine gesunde, strahlende Version von mir sein. Dazu darf ich nicht aus dem Leim gehen, aber dazu darf ich auch nicht hager und dürr werden.
Ich kann euch nicht sagen, wie sehr mich diese Erkenntnis erleichtert hat. Ich bin ich. So werde ich geliebt. So kann ich mich selbst lieben.
Und mit dieser Einsicht erwachte auch wieder meine Lust am guten Essen. Nie wieder würde ich mich selbst so schlecht behandeln, so lieblos und achtlos. Aber nie wieder würde ich meine Gesundheit durch maßloses Fressen auf´s Spiel setzen.
Es gibt so viele köstliche Gerichte, nicht nur in Schwaben, nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt! Und es gibt Unmengen an wundervollen Büchern darüber. Einige davon möchte ich auf meinem Blog vorstellen.

Schreib mir doch bitte eine E-Mail, wenn Du meinst, ich sollte (d)ein Buch auch unbedingt präsentieren oder diskutieren. Ich freue mich über Post!

Bücher über Bücher!Ich will euch ab heute in regelmäßigen Abständen Bücher vorstellen, die sich mit dem Thema Essen beschäftigen. Also regelrechte Kochbücher, aber auch (wenn mir etwas Interessantes in die Finger fällt) Bücher über das Essen, über Lust und Frust mit dem Essen, über neue Trends und alte Traditionen. So, und jetzt geht es auch schon los: mein erster Buchvorschlag ist… > Zu den Büchern!